Das Wichtigste in Kürze
- Wiederkehrende Abläufe zu festen Zeiten geben Sicherheit.
- Beschriftungen, Kalender und feste Plätze für wichtige Dinge erleichtern die Orientierung.
- Stolperfallen, Herd und Reinigungsmittel sind die häufigsten Gefahrenquellen in der Wohnung.
- Bei Unruhe am Abend helfen Beschäftigung am Tag und ruhige Abende eher als Beruhigungsmittel.
Tagesstruktur: Wiederholung gibt Sicherheit
Nach der Deutschen Alzheimer Gesellschaft geben immer wiederkehrende Abläufe zu bestimmten Zeiten Sicherheit. Was im Alltag hilft:
- feste Zeiten für Aufstehen, Mahlzeiten, Spaziergang und Schlafengehen
- ein großer Kalender oder Wochenplan, in dem Termine stehen
- feste Plätze für Brille, Schlüssel und Geldbörse
- Schränke und Schubladen beschriften oder mit Bildern kennzeichnen
- Termine erst kurz vorher ankündigen, damit sie nicht tagelang beunruhigen
Sicherheit in der Wohnung
Ziel ist eine Wohnung, in der sich der Mensch mit Demenz möglichst frei und sicher bewegen kann. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nennt unter anderem:
- Stolperfallen entfernen: lose Teppiche, Kabel, Schwellen; rutschfeste Böden, besonders im Bad
- gutes Licht: auch in Ecken und Fluren; ein Nachtlicht auf dem Weg zur Toilette
- Reinigungsmittel und Medikamente wegschließen, Kerzen und Streichhölzer entfernen
- Herdsicherung: Sie schaltet einen Elektroherd nach einer eingestellten Zeit oder bei Überhitzung ab. Für Gasherde ist laut Gesellschaft kein geeignetes Sicherungssystem bekannt; empfohlen wird der Austausch gegen einen Elektroherd.
- technische Hilfen wie Hausnotruf mit Sturzmelder oder Tablettenspender mit Erinnerungsfunktion
Für den Fall, dass sich jemand verläuft, rät die Gesellschaft zu einem Zettel oder einem Etikett in der Kleidung mit Name und Telefonnummer – aus Sicherheitsgründen ohne die vollständige Adresse. Ortungssysteme können sinnvoll sein; lassen Sie sich vorher zu Handhabung, Kosten und Datenschutz beraten. Mehr zu Unruhe und Hinlaufen lesen Sie im Artikel Pflege zu Hause.
Unruhe am Abend und Schlafprobleme
Viele Menschen mit Demenz werden am späten Nachmittag oder Abend unruhig, manche schlafen nachts kaum. Mögliche Ursachen sind eine gestörte innere Uhr, zu viel Schlaf am Tag, Harndrang oder Nebenwirkungen von Medikamenten.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft schlägt vor:
- tagsüber beschäftigen und langes Dösen vermeiden, am Nachmittag ein Spaziergang
- abends weniger trinken und keinen Kaffee
- ruhige Abendrituale, etwa ein lauwarmes Fußbad, ruhige Musik oder eine Handmassage
- tagsüber helle, nachts dunkle Schlafräume mit Nachtlicht
- nachts nicht diskutieren, sondern beruhigen
Ehrlich gesagt: Für diese Maßnahmen gibt es kaum Studien. Die Patientenleitlinie stellt fest, dass nicht-medikamentöse Behandlungen von Schlafstörungen bei Demenz nicht ausreichend untersucht sind. Eine Übersichtsarbeit empfiehlt trotzdem individuell angepasste Maßnahmen ohne Medikamente als ersten Schritt.
Allein leben mit Demenz
Viele Menschen leben mit einer beginnenden Demenz allein. Nach Studien, auf die sich die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bezieht, kann das annähernd so sicher sein wie mit Betreuung, wenn ein tragfähiges Netz aus Angehörigen, Nachbarn und Diensten besteht. Regelmäßige Anrufe, feste Besuchszeiten und Hilfen wie ein Hausnotruf helfen dabei.
Alle Artikel: Leben mit Demenz
Leben mit Demenz
Kunsttherapie für Menschen mit Demenz
Was künstlerisches Gestalten bewirken kann, was Studien zeigen und wer es bezahlt.
Leben mit Demenz
Beschäftigung bei Demenz: Aktivitäten, die guttun
Ideen je nach Phase, Biografiearbeit, Alltagsaufgaben – und was Überforderung vermeidet.
Leben mit Demenz
Ernährung bei Demenz: Essen und Trinken im Alltag
Fingerfood, Trinken, Schluckprobleme und was hinter Essensverweigerung stecken kann.
Leben mit Demenz
Kommunikation bei Demenz: Gespräche, die Halt geben
Kurze Sätze, Gefühle statt Fakten und der Umgang mit Vorwürfen und Wiederholungen.
Leben mit Demenz
Musik bei Demenz: was hilft – und was binaurale Beats nicht halten
Was Musik nachweislich kann – und warum binaurale Beats keine Behandlung sind.
Leben mit Demenz
Physiotherapie und Bewegung bei Menschen mit Demenz
Wie viel Bewegung die Leitlinie empfiehlt und was Physiotherapie im Alltag bringt.
Quellen
- Tipps für den Alltag
- Technische Hilfen
- Informationsblatt 15 – Allein leben mit Demenz (Mai 2019)
- Leben mit Demenzerkrankten – Hilfen für schwierige Verhaltensweisen und Situationen im Alltag (13. Auflage 2025)
- Empfehlungen zum Umgang mit Gefährdung bei Demenz
- Leitlinie Demenz – Für Patient*innen und Angehörige (April 2026, AWMF-Register 038-013)
- Sundowning in Dementia – Clinical Relevance, Pathophysiological Determinants, and Therapeutic Approaches (Frontiers in Medicine 2016)