Das Wichtigste in Kürze
- Die Leitlinie zählt körperliche Aktivität zu jeder Demenzbehandlung – empfohlen sind 75 bis 150 Minuten pro Woche.
- Ausdauer- und Krafttraining, Gleichgewichtsübungen und Tanzen sind geeignet.
- Studien deuten auf Vorteile für Alltagsfähigkeiten hin; ein Nutzen für das Gedächtnis ist nicht klar belegt.
- Physiotherapie kann ärztlich verordnet werden.
Was die Leitlinie empfiehlt
Die Patientenleitlinie Demenz (April 2026) zählt körperliche Aktivierung zu jeder Demenzbehandlung. Sie nennt 75 bis 150 Minuten Bewegung pro Woche und hält Ausdauer- und Krafttraining für förderlich. Auch Gleichgewichtstraining, Tanzen und Bewegung im Alltag gehören dazu. Bei Depression im Rahmen einer Demenz empfiehlt die Leitlinie Bewegungstherapie, am besten in Gruppen.
Was Bewegung bewirken kann – und was nicht
Eine Cochrane-Übersicht von 2015 mit 17 Studien kam zu diesem Ergebnis:
- Alltagsfähigkeiten: Bewegungsprogramme verbesserten die Fähigkeit, alltägliche Dinge selbst zu erledigen. Die Qualität der Belege war allerdings sehr niedrig.
- Gedächtnis und Denken: kein klarer Nutzen.
- Depression und Verhaltenssymptome: kein Nutzen nachgewiesen.
Bewegung ist also kein Mittel, um den Gedächtnisverlust aufzuhalten. Ihr Wert liegt vor allem darin, Kraft, Beweglichkeit und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft kann Physiotherapie Ausdauer, Kraft und Koordination erhalten oder verbessern, sicheres Bewegen unterstützen und Stürzen vorbeugen.
Physiotherapie: was dort passiert
Physiotherapie kann ärztlich verordnet werden. Je nach Phase stehen im Mittelpunkt:
- Kraft in Beinen und Rumpf, damit Aufstehen und Gehen sicher bleiben
- Gleichgewicht und Gangsicherheit
- Beweglichkeit der Gelenke, später auch Lagerung und Bewegen im Bett
- Anleitung für Angehörige, wie sie Bewegungen im Alltag unterstützen können
Für Menschen mit Demenz hilft es, wenn Übungen einfach, wiederkehrend und mit Alltagsbewegungen verbunden sind – etwa Aufstehen vom Stuhl oder Treppensteigen.
Bewegung im Alltag
- tägliche Spaziergänge, möglichst zur gleichen Zeit
- Tanzen zu vertrauter Musik
- Gartenarbeit oder Hausarbeit, soweit möglich
- Sitzgymnastik in der Gruppe, etwa in der Tagespflege
- Ballspiele oder einfache Übungen gemeinsam mit Enkelkindern
Mehr dazu, wie Bewegung das Demenzrisiko beeinflusst, lesen Sie unter Demenz vorbeugen.