Das Wichtigste in Kürze
- CTE ist eine seltene, fortschreitende Hirnerkrankung nach wiederholten Stößen gegen den Kopf, oft im Kontaktsport.
- Sie kann zu Gedächtnisproblemen, Stimmungs- und Verhaltensänderungen und später zu einer Demenz führen.
- Sicher feststellen lässt sie sich bisher nur durch eine Untersuchung des Gehirns nach dem Tod.
- Eine gezielte Behandlung gibt es nicht; Kopfschutz ist die wichtigste Vorbeugung.
Was ist CTE?
Die chronische traumatische Enzephalopathie ist nach der Deutschen Alzheimer Gesellschaft eine seltene, fortschreitende Erkrankung des Gehirns. Sie tritt bei Menschen auf, die wiederholt leichten Stößen gegen den Kopf ausgesetzt waren – auch solchen, die keine Gehirnerschütterung auslösen. Im Gehirn sammelt sich dabei ein verändertes Tau-Eiweiß an, ähnlich wie bei der Alzheimer-Krankheit, aber in einem anderen Muster.
Früher war die Erkrankung als „Boxer-Syndrom“ oder „Dementia pugilistica“ bekannt. Bekannter wurde sie seit 2005 durch Fälle bei American-Football-Spielern. Beschrieben wird sie auch bei Eishockey und anderen Kontaktsportarten sowie bei Soldaten nach Explosionen.
Wie häufig ist CTE?
Das ist nicht genau bekannt. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft zitiert eine Studie, in der bei rund 15 Prozent untersuchter Kontaktsportler eine CTE gefunden wurde. Diese Zahl stammt aber aus einer Hirnbank, also aus einer ausgewählten Gruppe, und lässt sich nicht auf alle Sportlerinnen und Sportler übertragen.
Welche Symptome treten auf?
Die Beschwerden beginnen typischerweise Jahre bis Jahrzehnte nach dem Ende der sportlichen Laufbahn. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft beschreibt zwei Hauptformen:
- Vor allem geistige Einschränkungen: Probleme mit dem Gedächtnis für Erlebtes und mit dem Planen und Steuern von Handlungen; Beginn eher um das 50. Lebensjahr.
- Vor allem Stimmung und Verhalten: Gefühlsausbrüche, Impulsivität, Gewalttätigkeit, Niedergeschlagenheit; Beginn eher um das 70. Lebensjahr.
Im weiteren Verlauf kann sich eine Demenz entwickeln.
Wie wird CTE festgestellt?
Eine sichere Diagnose ist bisher nur nach dem Tod durch eine feingewebliche Untersuchung des Gehirns möglich. Bei Lebenden werden in Studien Bildgebung (PET, MRT) und Eiweiße im Nervenwasser untersucht, eine verlässliche Routinemethode gibt es noch nicht.
2021 hat eine Expertengruppe im Auftrag des US-amerikanischen National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) Kriterien für ein klinisches Krankheitsbild vorgelegt, das „Traumatic Encephalopathy Syndrome“ (TES). Dafür müssen unter anderem vorliegen:
- eine erhebliche Belastung durch wiederholte Kopfstöße, etwa im Sport oder beim Militär,
- geistige Einschränkungen und/oder Probleme bei der Steuerung von Gefühlen und Verhalten,
- ein fortschreitender Verlauf,
- keine andere Erkrankung, die die Beschwerden besser erklärt.
Diese Kriterien sind für die Forschung gedacht und sollen weiterentwickelt werden. Sie ersetzen keine sichere Diagnose.
Behandlung und Vorbeugung
Eine gezielte Behandlung gibt es nach der Deutschen Alzheimer Gesellschaft nicht. Behandelt werden die einzelnen Beschwerden, etwa Schlafstörungen oder Depressionen; auch Training und psychologische Unterstützung können helfen.
Kopfverletzungen gelten nach der Lancet-Kommission 2024 als einer von 14 beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz. Die Kommission empfiehlt unter anderem Kopfschutz bei Kontaktsportarten und beim Radfahren. Mehr dazu unter Demenz vorbeugen.
Quellen
- Informationsblatt 25 – Chronische Traumatische Enzephalopathie (CTE)
- Formen der Demenz
- National Institute of Neurological Disorders and Stroke Consensus Diagnostic Criteria for Traumatic Encephalopathy Syndrome (Neurology 2021)
- The Lancet standing commission on dementia prevention, intervention and care, 2024 (Autorenmanuskript)