demenzfreundlich

Leben mit Demenz

Ernährung bei Demenz: Essen und Trinken im Alltag

Viele Menschen mit Demenz essen und trinken zu wenig. Oft liegt das nicht an fehlendem Willen, sondern daran, dass Hunger, Durst oder das Essen selbst nicht mehr erkannt werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gewichtsverlust ist bei Demenz häufig – wiegen Sie mindestens einmal im Monat.
  • Das Durstgefühl ist oft vermindert; Getränke sollten überall in Reichweite stehen.
  • Fingerfood, farbliche Kontraste und Zeit helfen, selbstständig zu essen.
  • Ablehnung bedeutet meist „nicht können“ statt „nicht wollen“ – niemals zum Essen zwingen.
  • Bei schwerer Demenz rät die europäische Leitlinie davon ab, eine Sondenernährung zu beginnen.

Warum Menschen mit Demenz oft zu wenig essen

Gewichtsverlust ist bei Demenz ein häufiges Zeichen und kann laut ESPEN-Leitlinie schon vor der Diagnose beginnen. Die Ursachen sind vielfältig: Hunger wird nicht mehr gespürt, Speisen werden nicht erkannt, Besteck kann nicht mehr benutzt werden, Zähne oder Prothese schmerzen, eine Depression nimmt den Appetit. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft betont: Ablehnung ist meist ein „Nicht-Können“, kein „Nicht-Wollen“.

Wiegen Sie regelmäßig, laut ESPEN mindestens einmal im Monat, bei Gewichtsverlust wöchentlich, und lassen Sie die Ursachen ärztlich abklären. Dazu gehört auch ein Blick auf die Medikamente.

Essen: was hilft

  • Fingerfood: Brot in Häppchen, Würstchen, Gemüsesticks – so bleibt Selbstständigkeit länger erhalten.
  • Eins nach dem anderen: Speisen nacheinander reichen, um „Auswahlstress“ zu vermeiden.
  • Kontraste: Farbiges Geschirr auf einem andersfarbigen Tisch hilft, das Essen zu erkennen. Zwei kleine Studien deuten darauf hin, dass so mehr gegessen wird.
  • Gemeinsam essen: Gemeinsame Mahlzeiten wirken sich laut ESPEN wahrscheinlich günstig aus.
  • Zeit lassen und beteiligen: beim Tischdecken oder Zubereiten mithelfen lassen.
  • Vorlieben beachten: Viele entwickeln eine Vorliebe für Süßes. Lieblingsspeisen können sich ändern.
  • Beim Anreichen: jeden Schritt ankündigen und nicht ungefragt nach jedem Bissen den Mund abtupfen.

Appetitanregende Medikamente sollen laut ESPEN nicht eingesetzt werden, pflanzliche „Appetitanreger“ nicht routinemäßig.

Trinken nicht vergessen

Das Durstgefühl lässt im Alter nach, bei Demenz oft noch stärker. Wegweiser Demenz empfiehlt mindestens 1,5 Liter am Tag, sofern ärztlich nichts anderes vorgegeben ist. Stellen Sie Getränke an mehrere Stellen in der Wohnung, bieten Sie immer wieder etwas an und probieren Sie bunte oder leicht gesüßte Getränke.

Zähne und Mund

Schmerzen im Mund sind ein häufiger, oft übersehener Grund für Essensverweigerung. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nennt als Warnzeichen: Die Zahnpasta wird nicht weniger, die Zahnbürste sieht unbenutzt aus, die Prothese sitzt schlecht, die Person wehrt sich bei der Mundpflege. Hilfreich sind Zahnbürsten mit kurzem Kopf und weichen Borsten, eventuell mit verstärktem Griff, und regelmäßige Zahnarztbesuche.

Schluckstörungen

Probleme beim Schlucken können gefährlich werden, weil Essen in die Lunge gelangen und eine Lungenentzündung auslösen kann – manchmal sogar ohne Husten. Bei Schluckbeschwerden oder häufigem Verschlucken sollte die Hausarztpraxis eine logopädische Behandlung verordnen. Logopädinnen und Logopäden zeigen auch Angehörigen, wie Essen sicherer wird.

Magensonde bei fortgeschrittener Demenz?

Diese Frage gehört zu den schwersten für Familien. Die ESPEN-Leitlinie 2024 empfiehlt, bei schwerer Demenz keine Sondenernährung zu beginnen, ebenso nicht in der Sterbephase. Bei leichter oder mittelschwerer Demenz kann eine Sonde vorübergehend sinnvoll sein, wenn eine behandelbare Ursache vorliegt. Studien zeigten bei fortgeschrittener Demenz keinen Überlebensvorteil durch eine Sonde, aber mehr Lungenentzündungen und Druckgeschwüre; die Studien haben allerdings methodische Schwächen. Als Alternative gilt sorgfältiges Essenreichen in kleinen Mengen, das sich am Wohlbefinden orientiert.

Entscheidend ist immer der Wille des Menschen, wie er etwa in einer Patientenverfügung festgehalten ist. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft rät, solche Entscheidungen nicht allein zu treffen, sondern gemeinsam mit Ärzten, Pflegenden und Angehörigen. Mehr zur letzten Lebensphase lesen Sie unter Lebenserwartung bei Demenz und zur Vorsorge unter Vorsorge treffen.

Quellen

  1. ESPEN guideline on nutrition and hydration in dementia – Update 2024 (Clinical Nutrition 2024;43:1599–1626) Volkert D et al., European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN) · abgerufen am 26. Oktober 2026
  2. Ernährung Wegweiser Demenz · abgerufen am 26. Oktober 2026
  3. Leben mit Demenzerkrankten – Hilfen für schwierige Verhaltensweisen und Situationen im Alltag (13. Auflage 2025) Deutsche Alzheimer Gesellschaft · abgerufen am 26. Oktober 2026
  4. Empfehlungen zum Einsatz einer Magensonde bei Demenz Deutsche Alzheimer Gesellschaft · abgerufen am 26. Oktober 2026
  5. Informationsblatt 28 – Mundgesundheit und Demenz (Februar 2024) Deutsche Alzheimer Gesellschaft · abgerufen am 26. Oktober 2026