Das Wichtigste in Kürze
- Bei Alzheimer gehen Nervenzellen zugrunde; Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques und Tau) beginnen Jahre vor den ersten Beschwerden.
- Wichtigster Risikofaktor ist das Alter; erbliche Formen mit frühem Beginn sind selten.
- Antidementiva können Gedächtnis und Alltagsfähigkeiten eine Zeit lang stabilisieren, den Verlauf aber nicht aufhalten.
- Neue Antikörper (Lecanemab, Donanemab) kommen nur im Frühstadium und für einen Teil der Betroffenen infrage.
- Bewegung, Musik und andere nicht-medikamentöse Verfahren gehören laut Leitlinie zur Behandlung.
Was ist die Alzheimer-Krankheit?
Alzheimer ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der nach und nach Nervenzellen zugrunde gehen. Sie ist die häufigste Ursache einer Demenz. Den Unterschied zwischen den Begriffen erklärt der Artikel Alzheimer und Demenz: der Unterschied.
Was passiert im Gehirn?
Nach dem heutigen Verständnis laufen mehrere Prozesse nacheinander ab:
- Amyloid-Plaques: Zwischen den Nervenzellen lagert sich ein Eiweiß namens Beta-Amyloid ab. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft löst das allein noch keine Beschwerden aus.
- Tau-Ablagerungen: Im Inneren der Nervenzellen sammelt sich ein verändertes Tau-Eiweiß an. Es stört die Versorgung der Zellen, die schließlich absterben.
- Verlust von Nervenzellen: Er bildet den Kern der Krankheit. Entzündungsprozesse im Gehirn gelten als Beschleuniger.
Diese Veränderungen beginnen Jahre bis Jahrzehnte, bevor erste Gedächtnisprobleme auffallen.
Besonders früh betroffen ist der Hippocampus im Schläfenlappen, eine Hirnregion, die für das Abspeichern neuer Erinnerungen wichtig ist und zum sogenannten limbischen System gehört. Deshalb können sich Menschen mit beginnender Alzheimer-Krankheit Neues schlecht merken, erinnern sich aber oft noch gut an lange Zurückliegendes. Später sind weitere Regionen betroffen, etwa für Sprache und Orientierung.
Wer erkrankt?
Der wichtigste Risikofaktor ist das Alter. Die große Mehrheit der Betroffenen erkrankt nach dem 65. Lebensjahr.
Nur ein kleiner Teil der Fälle wird direkt vererbt – die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nennt weniger als 3 Prozent, das DZNE 3 bis 5 Prozent. Diese Formen beginnen meist vor dem 60. Lebensjahr. Bei der häufigen, späten Form spielen Gene eine Rolle, entscheiden aber nicht allein: Die Genvariante ApoE4 erhöht das Risiko, ist jedoch weder notwendig noch hinreichend. Einen Gentest zur Vorhersage empfiehlt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft deshalb nicht.
Wie sich das persönliche Risiko senken lässt, beschreibt der Artikel Demenz vorbeugen.
Wie verläuft Alzheimer?
Die Krankheit schreitet langsam fort. Meist werden drei Phasen beschrieben:
- früh: Vergesslichkeit für Neues, Schwierigkeiten mit komplexen Aufgaben, Wortfindung
- mittel: Hilfe im Alltag nötig, Orientierung geht verloren, häufig Unruhe
- spät: Sprache weitgehend verloren, umfassende Pflege, oft Bettlägerigkeit
Ein ausführlicheres Stufenmodell beschreibt der Artikel Die 7 Stadien der Alzheimer-Krankheit.
Welche Medikamente gibt es?
Antidementiva
| Wirkstoff | Für welches Stadium (Leitlinie) |
|---|---|
| Donepezil, Galantamin, Rivastigmin (Acetylcholinesterase-Hemmer) | leichte bis mittelschwere Alzheimer-Demenz |
| Memantin | mittelschwere bis schwere Alzheimer-Demenz |
Nach der Patientenleitlinie wird von Memantin bei leichter Alzheimer-Demenz abgeraten, weil eine Wirkung dort nicht nachgewiesen ist, ebenso von der Kombination beider Wirkstoffgruppen. Was realistisch zu erwarten ist: Die geistige Leistungsfähigkeit bleibt bei vielen Behandelten über etwa ein Jahr weitgehend stabil, Alltagsfähigkeiten nehmen langsamer ab. Den Untergang der Nervenzellen halten die Mittel nicht auf. Häufige Nebenwirkungen der Acetylcholinesterase-Hemmer sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Durchfall und Schwindel, meist vorübergehend.
Für einen Extrakt aus Ginkgo-Blättern (EGb 761) nennt die Patientenleitlinie einen Vorschlag bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz mit Verhaltenssymptomen, bezeichnet die Wirksamkeit aber als wissenschaftlich umstritten. Das gilt nur für diesen Extrakt, nicht für Ginkgo-Produkte allgemein.
Antikörper: Lecanemab und Donanemab
Zwei Antikörper, die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn abbauen, sind in der EU zugelassen: Lecanemab (Leqembi, Zulassung April 2025) und Donanemab (Kisunla, Zulassung September 2025). Sie können das Fortschreiten verlangsamen, aber nicht stoppen. Laut EMA und Leitlinie kommen sie nur infrage bei:
- leichter kognitiver Störung oder leichter Demenz durch Alzheimer,
- nachgewiesenen Amyloid-Ablagerungen (meist über eine Untersuchung des Nervenwassers),
- Menschen, die die Genvariante ApoE4 höchstens einmal tragen.
Die Behandlung erfolgt als Infusion alle zwei bzw. vier Wochen. Mögliche Nebenwirkungen sind Schwellungen und kleine Blutungen im Gehirn (ARIA); deshalb sind regelmäßige MRT-Kontrollen vorgeschrieben. Bei erhöhtem Blutungsrisiko, etwa durch Blutverdünner, kommen die Mittel nicht infrage. Die Leitlinie „schlägt sie vor“, empfiehlt sie aber nicht ausdrücklich. Der Gemeinsame Bundesausschuss sah für Lecanemab im Februar 2026 keinen belegten Zusatznutzen; die Verordnung ist dadurch nicht eingeschränkt.
Was hilft ohne Medikamente?
Die Leitlinie zählt nicht-medikamentöse Verfahren ausdrücklich zur Behandlung: kognitive Stimulation und Erinnerungsarbeit, Ergotherapie, körperliche Aktivität (empfohlen werden 75 bis 150 Minuten pro Woche), künstlerische Therapien wie Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, Logopädie und Psychotherapie. Die Studienlage ist für viele dieser Verfahren schwächer als für Medikamente, sie können aber Lebensqualität, Stimmung und Alltagsfähigkeiten unterstützen. Mehr dazu unter Leben mit Demenz.
Alle Artikel: Alzheimer
Alzheimer
Die 7 Stadien der Alzheimer-Krankheit
Ein Stufenmodell zur Orientierung – und was es nicht leisten kann.
Quellen
- Informationsblatt 2 – Die neurobiologischen Grundlagen der Alzheimer-Krankheit (Dezember 2024)
- Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen bei Alzheimer
- Informationsblatt 4 – Die Genetik der Alzheimer-Krankheit
- Schleichend zum Vergessen – Hintergrund Alzheimer
- Informationsblatt 5 – Die medikamentöse Behandlung von Demenzerkrankungen (Juni 2026)
- Leitlinie Demenz – Für Patient*innen und Angehörige (April 2026, AWMF-Register 038-013)
- Leqembi (Lecanemab) – EPAR
- Kisunla (Donanemab) – EPAR
- Neuer Alzheimer-Wirkstoff Lecanemab ohne belegten Zusatznutzen (Pressemitteilung, 19.02.2026)