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Demenz verstehen

Demenz vorbeugen: Was die Forschung wirklich zeigt

Einen sicheren Schutz vor Demenz gibt es nicht. Forschende schätzen aber, dass ein beträchtlicher Teil der Erkrankungen mit beeinflussbaren Risikofaktoren zusammenhängt. Was belegt ist und was nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Lancet-Kommission nennt 14 beeinflussbare Risikofaktoren, darunter Bluthochdruck, Schwerhörigkeit, Bewegungsmangel und Rauchen.
  • Rechnerisch könnten bis zu etwa 45 Prozent der Demenzen verhindert oder verzögert werden – eine Modellschätzung, kein Versprechen.
  • Die WHO empfiehlt vor allem Bewegung, Rauchstopp und eine ausgewogene Ernährung.
  • Für spezielle Diäten, Vitaminpräparate und Gehirntraining-Apps ist ein Schutz nicht belegt.

Gibt es einen Schutz vor Demenz?

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft sagt es klar: Einen sicheren Schutz gibt es bislang nicht. Auch gesundheitsinformation.de betont, dass Studien bisher keine eindeutigen Antworten liefern und viele Zusammenhänge nicht ursächlich sein müssen. Trotzdem gibt es gute Gründe, auf bestimmte Risikofaktoren zu achten – sie schaden nicht und nützen auch Herz und Kreislauf.

Die 14 Risikofaktoren der Lancet-Kommission

Eine internationale Expertenkommission der Fachzeitschrift The Lancet hat 2024 folgende beeinflussbare Risikofaktoren benannt:

BereichRisikofaktoren
Bildung und Sinnegeringe Bildung, Schwerhörigkeit, unbehandelte Sehbeeinträchtigung
Herz und StoffwechselBluthochdruck, hohes LDL-Cholesterin, Diabetes, Übergewicht
LebensstilBewegungsmangel, Rauchen, hoher Alkoholkonsum
Psyche und UmfeldDepression, wenig soziale Kontakte, Luftverschmutzung
VerletzungenKopfverletzungen

Neu gegenüber 2020 sind unbehandelte Sehprobleme und erhöhtes LDL-Cholesterin.

Wie die 45 Prozent zu verstehen sind: Die Kommission hat berechnet, dass rund 45 Prozent der Demenzerkrankungen mit diesen Faktoren zusammenhängen. Das ist eine Modellrechnung, die annimmt, dass die Zusammenhänge ursächlich sind, und die voraussetzt, dass alle Faktoren vollständig beseitigt würden. Sie bedeutet nicht, dass ein einzelner Mensch sein Risiko um 45 Prozent senken kann.

Was die WHO empfiehlt

Die Weltgesundheitsorganisation hat 2019 Empfehlungen zur Risikosenkung veröffentlicht (eine überarbeitete zweite Auflage ist 2026 erschienen; wir haben sie noch nicht ausgewertet). Nach der Zusammenfassung durch WHO-Autorinnen und -Autoren gilt:

  • körperliche Aktivität: starke Empfehlung für Erwachsene ohne kognitive Einschränkungen
  • Rauchstopp: starke Empfehlung
  • ausgewogene, gesunde Ernährung: starke Empfehlung; mediterrane Ernährung nur als bedingte Empfehlung
  • Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen sowie weniger Alkohol: bedingte Empfehlungen
  • Vitamin-B- oder -E-Präparate, Omega-3-Fettsäuren, Multivitamine: sollen zur Vorbeugung nicht empfohlen werden
  • kognitives Training: bedingte Empfehlung bei sehr niedriger bis niedriger Beweislage

Ernährung: weniger eindeutig als oft behauptet

Für die sogenannte MIND-Diät, eine Mischung aus Mittelmeer- und blutdrucksenkender Kost, gab es Hinweise aus Beobachtungsstudien. In einer randomisierten Studie mit 604 älteren Menschen über drei Jahre (2023) unterschied sich die geistige Leistungsfähigkeit aber nicht von einer Vergleichsdiät. Eine ausgewogene Ernährung bleibt sinnvoll; eine bestimmte „Anti-Demenz-Diät“ ist nicht belegt.

Gehirntraining: was die bekannte ACTIVE-Studie zeigt

Eine US-Studie (ACTIVE) mit rund 2.800 gesunden älteren Menschen wird oft als Beleg für Gehirntraining angeführt. Nach zehn Jahren hatten Teilnehmende eines speziellen Computertrainings zur Verarbeitungsgeschwindigkeit seltener eine Demenz entwickelt; Gedächtnis- und Denktraining zeigten keinen signifikanten Effekt. Die Autoren selbst nennen wichtige Einschränkungen: Demenz war kein Hauptziel der Studie, sie wurde nicht klinisch diagnostiziert, und das Ergebnis lag knapp an der Grenze der statistischen Aussagekraft. Gehirntraining-Apps schützen nach heutigem Wissen nicht sicher vor Demenz – geistig aktiv und neugierig zu bleiben, schadet aber nicht.

Was Sie konkret tun können

  • Blutdruck kontrollieren und, falls erhöht, behandeln lassen.
  • Bewegen: regelmäßig und möglichst vielseitig.
  • Hören und Sehen prüfen lassen – Hörgeräte und Brillen nutzen.
  • Nicht rauchen und Alkohol begrenzen.
  • Kontakte pflegen und Neues lernen.
  • Den Kopf schützen, etwa mit Helm beim Radfahren.
  • Grunderkrankungen wie Diabetes und Depression behandeln lassen.

Bei Menschen, die bereits mit Demenz leben, geht es weniger um Vorbeugung als um Lebensqualität – siehe Bewegung und Physiotherapie und Ernährung bei Demenz.

Quellen

  1. The Lancet standing commission on dementia prevention, intervention and care, 2024 (Autorenmanuskript) Livingston G et al., UCL Discovery · abgerufen am 26. Oktober 2026
  2. Prävention Deutsche Alzheimer Gesellschaft · abgerufen am 26. Oktober 2026
  3. Reducing the Risk of Cognitive Decline and Dementia – WHO Recommendations (Frontiers in Neurology 2021) Chowdhary N et al., Weltgesundheitsorganisation · abgerufen am 26. Oktober 2026
  4. Speed of processing training results in lower risk of dementia (Alzheimer's & Dementia TRCI 2017) Edwards JD et al. · abgerufen am 26. Oktober 2026
  5. Trial of the MIND Diet for Prevention of Cognitive Decline in Older Persons (NEJM 2023) Barnes LL et al. · abgerufen am 26. Oktober 2026
  6. Alzheimer-Demenz gesundheitsinformation.de (IQWiG) · abgerufen am 26. Oktober 2026