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Leben mit Demenz

Beschäftigung bei Demenz: Aktivitäten, die guttun

Sinnvolle Beschäftigung gibt dem Tag Struktur, stärkt das Selbstwertgefühl und kann Unruhe vorbeugen. Wichtig ist, was der Person Freude macht – nicht, was trainiert werden soll.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vertraute Hobbys lassen sich oft lange fortführen, wenn man sie vereinfacht.
  • Alltagstätigkeiten wie Wäsche falten oder Gemüse schälen geben das Gefühl, gebraucht zu werden.
  • Erinnerungsarbeit mit Fotos, Musik und Gegenständen knüpft an lange erhaltene Erinnerungen an.
  • Gedächtnistraining hilft vor allem früh – und nur, wenn es nicht überfordert.

Warum Beschäftigung wichtig ist

Menschen mit Demenz verlieren nach und nach die Fähigkeit, ihren Tag selbst zu füllen. Langeweile und innere Anspannung können dann zu Unruhe oder Umherlaufen führen. Beschäftigung, die zu den eigenen Fähigkeiten passt, gibt Halt und das Gefühl, etwas beizutragen.

Ideen je nach Phase

Frühe Phase: Lieblingsbeschäftigungen wie Singen, Tanzen, Kegeln oder Wandern so lange wie möglich fortsetzen. Wegweiser Demenz ermutigt auch, Neues auszuprobieren – Malen, Trommeln, ein Theaterkurs. Werden Fähigkeiten schwächer, lässt sich vieles vereinfachen: einfache Tanzschritte statt komplizierter Folgen, eine leichtere Sportart.

Mittlere Phase: Alltagstätigkeiten werden wichtiger als Freizeitangebote. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nennt etwa:

  • Kartoffeln oder Äpfel schälen, Wäsche falten, Staub wischen
  • Blumen gießen, leichte Gartenarbeit
  • Fotos ansehen, einfache Spiele, gemeinsame Spaziergänge
  • Zeit mit Haustieren, die oft beruhigend wirken

Späte Phase: Singen, Trommeln oder Musik hören bleiben oft lange möglich. Später geht es vor allem um Ansprache der Sinne: Berührung, vertraute Düfte, Klänge. Fachleute nennen dafür Ansätze wie basale Stimulation.

Erinnerungsarbeit und Biografie

Erinnerungen an Kindheit und Jugend bleiben oft lange erhalten. Gespräche über früher, unterstützt durch Bilder, Geschichten, Musik und Alltagsgegenstände von damals, knüpfen daran an. Ein Biografieheft hilft, die Lebensgeschichte festzuhalten – auch für Pflegekräfte und Besuch, die die Person noch nicht lange kennen.

Gedächtnistraining: ja, aber richtig

Die Patientenleitlinie unterscheidet zwischen geistiger Anregung mit sozialem Austausch, oft in Gruppen („kognitive Stimulation“), und gezieltem Training. Sie schlägt solche Verfahren für verschiedene Stadien vor; unangeleitetes Training am Computer schlägt sie derzeit nicht vor. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft rät zu spielerischem, alltagsnahem Training vor allem im frühen und mittleren Stadium. Wer gezielt nur das übt, was nicht mehr gelingt, riskiert Frust und Überforderung.

Überforderung vermeiden

  • Lieber wenige, ruhige Beschäftigungen als ein volles Programm.
  • Feste Zeiten im Tagesplan reduzieren Stress.
  • Den Prozess wichtiger nehmen als das Ergebnis: Ob die Wäsche ordentlich gefaltet ist, spielt keine Rolle.
  • Abbrechen, wenn die Person unruhig oder traurig wird, und es später anders versuchen.

Nesteldecken und Fühlhilfen

Nesteldecken sind Decken oder Kissen mit Knöpfen, Reißverschlüssen und unterschiedlichen Stoffen für Menschen, die viel zupfen und greifen. Die wissenschaftliche Evidenz dazu ist bislang begrenzt. Beobachten Sie, ob die Decke beruhigt oder eher überfordert, und achten Sie auf fest angenähte Teile ohne verschluckbare Kleinteile oder lange Schnüre.

Weitere Anregungen: Musik bei Demenz, Kunsttherapie und Bewegung und Physiotherapie.

Quellen

  1. Freizeitgestaltung Wegweiser Demenz · abgerufen am 26. Oktober 2026
  2. Informationsblatt 6 – Die nicht-medikamentöse Behandlung von Demenzerkrankungen (März 2016) Deutsche Alzheimer Gesellschaft · abgerufen am 26. Oktober 2026
  3. Leben mit Demenzerkrankten – Hilfen für schwierige Verhaltensweisen und Situationen im Alltag (13. Auflage 2025) Deutsche Alzheimer Gesellschaft · abgerufen am 26. Oktober 2026
  4. Leitlinie Demenz – Für Patient*innen und Angehörige (April 2026, AWMF-Register 038-013) DGPPN und DGN · abgerufen am 26. Oktober 2026
  5. Nesteldecke DocCheck Flexikon · abgerufen am 26. Oktober 2026